Der Atem Gottes im verschlossenen Raum

Pfingsten in Eschenbach LU

Am Pfingstsonntag durften wir in der Kirche von Eschenbach LU gemeinsam das Hochfest des Heiligen Geistes feiern. Es war ein Nachmittag, der mir noch lange im Herzen bleiben wird. Zuerst eineinhalb Stunden eucharistische Anbetung und Geistausgiessung vor dem Allerheiligsten, danach die heilige Messe. Viele waren gekommen, um zu beten, zu singen, still zu werden und sich neu dem Heiligen Geist zu öffnen.

Ein herzliches Vergelt’s Gott gilt Adonai aus dem Urnerland, die den Nachmittag musikalisch begleitet haben. Die Musik hat die Anbetung und die Liturgie sehr schön getragen und geholfen, gemeinsam vor den Herrn zu treten. Gerade an Pfingsten wird spürbar, dass die Kirche nicht einfach aus Organisation lebt. Sie lebt aus dem Atem Gottes. Wo dieser Atem fehlt, kann man noch so viel machen, planen und besprechen; irgendwann wird die Luft trotzdem dünn.

Adonai Uri beim Lobpreis am Pfingsttreffen des BLESS Missionswerks in der Wallfahrtskirche Eschenbach

Wenn sogar die Liebe zuerst lüften möchte

In der Predigt habe ich ein Bild aufgenommen, das vermutlich jeder kennt. Man kommt in einen Raum hinein, in dem lange gearbeitet wurde, und merkt sofort: Hier müsste man dringend das Fenster öffnen. Wer schon lange im Raum sitzt, merkt es oft gar nicht mehr. Für ihn ist die Luft normal geworden. Der Besuch aber denkt sich vielleicht: Ich liebe dich ja, aber unter diesen Umständen wird sogar die Nächstenliebe zur Hochleistungssportart.

So kann es auch mit dem Herzen geschehen. Da gibt es Räume, die schwer geworden sind. Eine alte Schuld. Eine Kränkung, die nicht heilt. Eine Angst, die immer wieder mitredet. Eine Wunde, aus der wir reagieren, obwohl wir meinen, ganz frei zu sein. Manchmal kommen unsere Worte dann aus solchen inneren Räumen heraus. Sie können äusserlich sogar richtig klingen, und doch spürt man: Da ist etwas Enges, Unversöhntes, vielleicht auch etwas Bitteres.

Das betrifft die Gesellschaft. Das betrifft die Kirche. Und zuerst betrifft es mein eigenes Herz. Pfingsten stellt deshalb eine sehr konkrete Frage: Aus welchem Raum heraus spreche ich? Aus einem Herzen, das vom Geist Gottes durchlüftet ist, oder aus einem Raum, in dem Angst, Ideologie, Verletzung oder Unversöhntheit die Luft bestimmen?

Da hilft auch der schönste Weihrauch nicht. Er kann viel, aber er ersetzt nicht das offene Fenster des Herzens.

Wallfahrtskirche Eschenbach, in der das Pfingsttreffen des BLESS Missionswerks stattgefunden hat

Christus tritt in die Mitte

Das Evangelium des Pfingstsonntags führt uns in den Abendmahlssaal. Die Jünger haben die Türen verschlossen. Aus Angst. Wohl auch aus Scham. Denn in diesem Raum sitzen keine Glaubenshelden mit frisch poliertem Heiligenschein, sondern Männer, die wissen, dass sie davongelaufen sind. Petrus hat verleugnet. Die anderen haben sich versteckt. Die Luft in diesem Raum war sicher nicht nur äusserlich schwer.

Genau dort hinein kommt Jesus. Er wartet nicht, bis alles sauber aufgeräumt ist. Er tritt in die Mitte und spricht: «Friede sei mit euch!» (Joh 20,19). Dann zeigt er ihnen seine Hände und seine Seite. Der Auferstandene versteckt seine Wunden nicht. Das ist tröstlich und zugleich herausfordernd. Wir decken unsere Wunden gerne zu, manchmal sogar mit frommen Worten. Christus aber zeigt sie. Aus seinen Wunden fliesst keine Anklage, sondern Heilung.

Danach haucht er die Jünger an und sagt: «Empfangt den Heiligen Geist!» (Joh 20,22). Dieses Hauchen führt zurück an den Anfang, als Gott dem Menschen den Lebensatem einhauchte. Pfingsten ist deshalb nicht einfach ein frommes Zusatzfest nach Ostern. Pfingsten ist Neuschöpfung. Gott legt seinen Atem in das, was müde, ängstlich und verschlossen geworden ist.

Pfingstgottesdienst in Eschenbach

Feuer braucht Luft

An Pfingsten kommt der Heilige Geist wie Feuer. Doch Feuer braucht Luft. Vielleicht ist gerade das ein starkes Bild für unser geistliches Leben. Wir bitten um das Feuer Gottes, aber manche Fenster im Herzen bleiben geschlossen. Wir sehnen uns nach Erneuerung, und zugleich gibt es Räume, in die der Herr noch nicht wirklich eintreten darf.

Darum genügt es nicht, allgemein zu sagen: Komm, Heiliger Geist. Es muss konkret werden. Herr, komm in diese Beziehung. Komm in diese Angst. Komm in diese Erinnerung. Komm in diese Unversöhntheit. Komm in diesen Teil meines Lebens, den ich dir bisher vorenthalten habe.

Don Philipp Isenegger bei einer kraftvollen Pfingstpredigt am Pfingsttreffen des BLESS Missionswerks in der Wallfahrtskirche Eschenbach

Das ist keine psychologische Übung mit religiöser Farbe. Es ist Glaube an den Auferstandenen, der in die Mitte tritt und Frieden spricht. Es ist Vertrauen, dass der Heilige Geist nicht an der Oberfläche bleibt, sondern bis dorthin kommt, wo der Mensch sich selbst nicht erlösen kann.

Und manchmal beginnt diese Durchlüftung ganz praktisch. Bevor ich etwas sage. Bevor ich eine Nachricht schreibe. Bevor ich auf dem Natel den Sendeknopf drücke. Dieser Sendeknopf ist bekanntlich kein Sakrament. Es kann geistlicher sein, eine Antwort zuerst unter das Kreuz zu legen und den Herrn zu fragen: Kann das, was ich jetzt sagen will, vor dir bestehen?

Eucharistischer Segen beim Pfingsttreffen des BLESS Missionswerks in der Wallfahrtskirche Eschenbach

Empfangen, damit Sendung möglich wird

Pfingsten ist auch zutiefst marianisch. Maria ist im Abendmahlssaal. Sie zeigt der Kirche jene Haltung, ohne die Erneuerung schnell zu Menschenwerk wird: empfangen. Babel wollte sich selbst einen Namen machen. Pfingsten lässt Gott gross werden. Dort beginnt Mission.

Darum war dieser Nachmittag in Eschenbach mehr als ein schöner geistlicher Moment. Er war Erinnerung an unsere Berufung. Christen bleiben nicht im Abendmahlssaal eingeschlossen. Sie werden gesandt. Doch wer gesandt wird, muss zuerst selbst den Atem Gottes empfangen. Sonst trägt man am Ende die eigene Unruhe weiter und tauft sie vielleicht noch auf den Namen «apostolischer Eifer».

Kaffee und Kuchen vor der Kirche nach dem Pfingstgottesdienst des BLESS Missionswerks in Eschenbach

Der heilige Paulus schreibt: «Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.» (1 Kor 12,3; Einheitsübersetzung 1980). Genau darum geht es. Es reicht nicht, die richtigen Worte zu kennen. Das Bekenntnis muss aus einem Herzen kommen, das der Geist Gottes berührt, reinigt und neu ordnet.

Und ja, auch das gehört dazu: Nach der Messe darf man im Heiligen Geist ein feines Stück Kuchen essen. Oder etwas Salziges. Der Heilige Geist ist nicht der Feind echter Freude. Er will unser ganzes Leben durchdringen: das Gebet vor dem Allerheiligsten ebenso wie die Begegnung vor der Kirche, die Stille ebenso wie das Gespräch, den Altar ebenso wie den Apéro. Entscheidend ist, dass Christus die Mitte bleibt.

Komm, Heiliger Geist

Ich bin dankbar für diesen Pfingstnachmittag in Eschenbach: für die eucharistische Anbetung, für die heilige Messe, für Adonai aus dem Urnerland, für alle, die mitgebetet, mitgesungen und mitgetragen haben.

Kaffee und Kuchen vor der Kirche nach dem Pfingstgottesdienst des BLESS Missionswerks in Eschenbach

Ein herzliches und grosses Vergelt’s Gott gilt auch der Familie Käppeli, die anschliessend mit viel Liebe den Apéro vorbereitet hat. Es gab feinen Kuchen, Salziges und vor allem diese einfache, herzliche Gastfreundschaft, die einem Anlass nach der Liturgie noch etwas sehr Familiäres schenkt. Gerade mit den Kindern war spürbar: Kirche ist nicht nur ein Ort, an dem man nebeneinander betet, sondern auch eine Familie, in der man miteinander lebt, lacht und dankbar teilt.

Möge der Heilige Geist weiterwirken. In Eschenbach. In unserem Alltag. In unseren Familien. In der Kirche in der Schweiz. Und in jedem Herzensraum, der neu den Atem Gottes braucht.

Die Predigt vom Pfingstgottesdienst kann hier nochmals angeschaut und angehört werden:

One Response

  1. Ich war an Pfingsten in Freiburg im Schwarzwald beim Jugendfestival.
    Auch dort wurde um den Heiligen Geist gebetet. Herbeigerufen.
    Wir brauchen den Heiligen Geist so sehr. Komm Heiliger Geist. Entzünde unsere Herzen. Erfülle uns.
    Schenke uns Deine Gnadengaben.
    Wir brauchen Dich so sehr.
    Komm im säuseln. Komm im Sturmesbraus.
    Komm. Wir lieben Dich. Wir brauchen Dich so sehr. 🙏💞🙏

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