Die deutsche Darstellung von Monsignore Carl Vogl erschien 1931 unter dem Titel «Weiche, Satan! Eine aufsehenerregende Teufelsaustreibung in Nordamerika». Vier Jahre später veröffentlichte Pater Celestine Kapsner OSB die englische Übersetzung Begone Satan! (1935). Sie erschien mit Nihil obstat und Imprimatur; das Imprimatur erteilte Bischof Joseph F. Busch von St. Cloud (Minnesota). Eine kirchliche Druckerlaubnis besagt, dass der zuständige Gutachter im Werk nichts gefunden hat, was dem katholischen Glauben oder der katholischen Sittenlehre widerspricht. Sie bestätigt jedoch nicht die historische oder faktische Fehlerfreiheit aller geschilderten Ereignisse. Die vorliegende Zusammenfassung stützt sich auf eine digitale Fassung, die der englischen Ausgabe von 1935 folgt und zwei später hinzugefügte theologische Anhänge enthält.
Ein aussergewöhnlicher Fall
Das Buch «Begone Satan!» (Weiche, Satan!) schildert einen der bekanntesten Exorzismusfälle des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die über viele Jahre hinweg unter aussergewöhnlichen dämonischen Angriffen litt und schliesslich im Jahr 1928 in Earling, Iowa, einem feierlichen Exorzismus unterzogen wurde. Der Bericht versteht sich nicht als Sensationsgeschichte, sondern als Zeugnis für die Macht Christi und seiner Kirche über die Mächte der Finsternis.
Die Frau war nach Aussage der Zeugen von Jugend an eine fromme und religiöse Katholikin. Sie führte ein sittsames Leben, empfing häufig die Sakramente und bemühte sich aufrichtig, Gott zu dienen. Gerade deshalb wirkt ihre Geschichte besonders erschütternd. Denn das Dunkel trat nicht in ein Leben ein, das bewusst Gott verachtet hätte, sondern in ein Leben, das eigentlich auf Gott ausgerichtet war. Etwa ab ihrem vierzehnten Lebensjahr begannen seltsame und beängstigende Erfahrungen. Immer wenn sie beten wollte, schien eine innere Kraft sie daran zu hindern. Sie wollte zur Kirche gehen, doch etwas in ihr sträubte sich dagegen. Sie wollte die heilige Kommunion empfangen, doch plötzlich erfüllte sie ein unerklärlicher Widerstand. Gleichzeitig hörte sie innere Stimmen, die sie bedrängten, beschimpften und zur Verzweiflung treiben wollten. Diese Stimmen flüsterten ihr Gotteslästerungen ein, drängten sie zu Unreinheit und versuchten sie davon zu überzeugen, dass sie verloren sei. Zeitweise verspürte sie sogar den Impuls, heilige Gegenstände zu zerstören oder Menschen anzugreifen, die sie eigentlich liebte und respektierte. Tief erschüttert begann sie zu glauben, den Verstand zu verlieren.
Zunächst suchte man nach einer natürlichen Erklärung. Dem Bericht zufolge wurde die Frau über viele Jahre von Ärzten untersucht. Man dachte an Nervenzusammenbrüche, Hysterie, psychische Erkrankungen oder andere medizinische Ursachen. Die damaligen Untersuchungen führten jedoch zu keiner eindeutigen Erklärung. Mehrere Fachärzte sollen zum Schluss gekommen sein, dass keine Krankheit vorliege, welche die aussergewöhnlichen Erfahrungen hinreichend erklären könne. Gleichzeitig häuften sich Phänomene, die die Beobachter in Erstaunen versetzten. Die Frau reagierte auf Weihwasser, ohne zu wissen, dass es verwendet worden war. Sie reagierte auf heimlich gesegnete Gegenstände und unterschied sie von gewöhnlichen Gegenständen. Sie reagierte auf lateinische Gebete, obwohl sie die Sprache nicht beherrschte. Mit den Jahren gelangten die kirchlichen Behörden deshalb zu der Überzeugung, dass es sich möglicherweise um einen echten Fall dämonischer Besessenheit handelte.
Die Entscheidung der Kirche
Der zuständige Bischof übertrug den Fall schliesslich Pater Theophilus Riesinger, einem Kapuziner, der bereits Erfahrung mit Exorzismen hatte. Um die Frau vor öffentlicher Blossstellung zu schützen, wurde beschlossen, den Exorzismus nicht an ihrem Wohnort durchzuführen. Stattdessen brachte man sie in das abgelegene Dorf Earling in Iowa, wo sie im Kloster der Franziskanerinnen untergebracht wurde. Nur wenige Personen waren eingeweiht: der Bischof, der Exorzist, der Ortspfarrer und einige Schwestern.
Noch vor Beginn der Ereignisse warnte der Bischof den Pfarrer eindringlich. Er erklärte, der Teufel werde versuchen, sich an allen Beteiligten zu rächen. Besonders der Pfarrer müsse mit Angriffen rechnen, weil er seine Zustimmung gegeben habe. Der Priester antwortete jedoch ruhig, dass der Teufel nur tun könne, was Gott zulasse. Wenn Gott Schutz gewähre, könne Satan letztlich keinen wirklichen Schaden anrichten. Darum wolle er seine Zustimmung nicht zurückziehen, selbst wenn persönliche Opfer nötig würden.
Schon die Anreise der Frau verlief schwierig. Später erklärte sie, dass sie unterwegs von starkem Hass gegen die Menschen erfüllt gewesen sei, die ihr helfen wollten. Auch der Pfarrer erlebte merkwürdige Hindernisse. Sein Auto, das sonst zuverlässig funktionierte, verlor plötzlich jede Leistung. Für eine kurze Strecke benötigte er beinahe zwei Stunden. Pater Theophilus zeigte sich darüber nicht überrascht. Er erklärte, der Teufel versuche bereits jetzt, die Durchführung des Exorzismus zu verhindern.
Noch bevor die eigentlichen Exorzismen begannen, ereignete sich ein bemerkenswerter Vorfall. Eine Schwester hatte etwas Weihwasser über das Essen der Frau gesprengt. Sofort wurde diese unruhig, verweigerte die Mahlzeit und reagierte mit grosser Wut. Als das Essen durch ungesegnete Speisen ersetzt wurde, beruhigte sie sich wieder. Für die Anwesenden war dies ein weiteres Zeichen, dass hier etwas Aussergewöhnliches vorlag.
Der Beginn des Exorzismus
Am nächsten Morgen begann der Exorzismus. Die Frau wurde auf ein eisernes Bett gelegt. Mehrere kräftige Schwestern standen bereit, um sie festzuhalten. Kaum hatte Pater Theophilus die Heilige Dreifaltigkeit angerufen, geschah etwas, das alle erschütterte. Die Frau löste sich plötzlich aus den Händen ihrer Helfer und ihr Körper wurde durch die Luft getragen. Sie kam hoch oben an der Wand über der Tür zu liegen und schien dort festzukleben. Die Anwesenden waren vor Schreck wie gelähmt. Nur der Exorzist blieb ruhig und befahl, die Frau wieder auf das Bett zurückzubringen.
Als die Gebete fortgesetzt wurden, erfüllte plötzlich ein furchtbares Geschrei den Raum. Die Stimmen klangen für die Zeugen nicht menschlich. Manche verglichen sie mit dem Heulen wilder Tiere, andere mit dem Brüllen eines ganzen Rudels von Bestien. Die Schreie waren so laut, dass Menschen ausserhalb des Klosters aufmerksam wurden. Schon bald verbreitete sich im Dorf das Gerücht, dass im Kloster ein Exorzismus durchgeführt werde.
Die Stimmen aus der Finsternis
Im Verlauf der Exorzismen wurde versucht herauszufinden, ob ein oder mehrere Dämonen beteiligt seien. Die Antworten deuteten auf mehrere verschiedene Geister hin. Unter ihnen trat besonders ein Geist hervor, der sich Beelzebub nannte. Er behauptete, zu den gefallenen Engeln zu gehören und einst dem seraphischen Chor angehört zu haben. Immer wenn der Name Jesu ausgesprochen wurde, reagierte er mit Wut und Qual. Die Dämonen beantworteten Fragen auf Englisch, Deutsch und Latein, unabhängig davon, in welcher Sprache sie angesprochen wurden.
Später erschienen weitere Stimmen. Eine davon behauptete, Judas Iskariot zu sein. Eine andere Stimme stellte sich als Jacob vor und behauptete, der verstorbene Vater der Frau zu sein. Eine weitere Stimme nannte sich Mina. Sie erklärte, sie sei wegen ihres unmoralischen Lebenswandels und wegen Kindermordes verdammt worden. Der Exorzist selbst betonte immer wieder, dass Dämonen Lügner seien und ihre Aussagen niemals unkritisch übernommen werden dürften.
Gerade diese Zurückhaltung ist wichtig. Der Bericht will nicht lehren, dass jedes Wort eines Dämons zuverlässig sei. Im Gegenteil: Er erinnert daran, dass der Teufel der «Vater der Lüge» ist (Joh 8,44). Selbst dort, wo er Wahres ausspricht, kann er es verdrehen, übertreiben oder mit Falschem vermischen. Deshalb darf der Blick nicht an den Stimmen der Finsternis hängen bleiben. Entscheidend ist nicht, was die Dämonen behaupten, sondern wie Christus durch die Kirche handelt.
Die Kraft der Beichte: Satans Wissen kann peinlich sein
Das Wissen, das Satan im Bericht über die Sünden und den Seelenzustand der Anwesenden zugeschrieben wird, war für diese oft äusserst unangenehm. Im vorliegenden Fall wird allerdings von keinen grösseren Enthüllungen berichtet. Dennoch machte der Teufel immer wieder anspielende Bemerkungen. Er sagte beispielsweise: «Ist es nicht wahr, dass du dies oder jenes in deiner Jugend getan hast?» Er erinnerte an längst vergangene Dinge, die man kaum noch im Gedächtnis hatte. Doch als der Teufel nicht nachliess, erhielt er eine Antwort:
«Wenn ich vor Gott keine schwereren Sünden begangen habe als jene meiner Kindheit, dann habe ich nichts zu fürchten.» Darauf folgte eine bemerkenswerte Aussage: «Was du bereits gebeichtet hast, das weiss ich nicht.»
Der Verfasser deutet diese Szene als Bild dafür, dass aufrichtig bereute und sakramental vergebene Sünden dem Ankläger keinen Anspruch mehr geben. Die Aussage eines Dämons ist freilich kein theologischer Beweis. Gewiss ist vielmehr, dass Gott die Sünde im Sakrament der Busse wirklich vergibt und den Sünder mit sich versöhnt. Was dem Schlüsselamt der Kirche übergeben wird, wird gleichsam in den Abgrund der göttlichen Barmherzigkeit versenkt.
In diesem Zusammenhang erzählt das Buch von einem früheren Besessenheitsfall in Wemding (Deutschland). Dort hatte man die kräftigsten und angesehensten Männer der Pfarrei herbeigerufen, um einen besessenen Jungen festzuhalten. Dem Bericht zufolge zeigte sich bald, dass das unheimliche Heulen und Toben des Dämons weit weniger erschreckend war als seine Anklagen. Er legte verborgene Sünden und Fehler einzelner Männer vor allen Anwesenden offen und beschrieb sie mit beängstigender Genauigkeit. Viele erschraken zutiefst. Solche Erfahrungen machten deutlich, weshalb nur wenige Menschen bereit waren, bei Exorzismen anwesend zu sein.
Dreiundzwanzig Tage Widerstand
Während der folgenden Wochen entwickelte sich ein erbitterter Kampf. Die Exorzismen dauerten insgesamt dreiundzwanzig Tage. Immer wieder schien ein Sieg nahe zu sein, doch die Dämonen leisteten weiterhin Widerstand. Der Exorzist, die Schwestern und der Pfarrer waren körperlich und seelisch bis an die Grenzen ihrer Kräfte belastet. Besonders Pater Theophilus opferte sich vollständig auf. Gegen Ende wirkte er wie ein Mensch, der seine letzten Reserven verbraucht hatte.
Unter den Stimmen, die aus der Frau hervorgingen, erschien besonders häufig jener Geist, der sich Beelzebub nannte. Er sprach mit einer Mischung aus Hass, Stolz und Verzweiflung. Nach seiner eigenen Behauptung gehörte er nicht zu den niedrigeren Dämonen, sondern zu den gefallenen Engeln hoher Ordnung. Immer wieder zeigte sich seine Wut gegenüber Gott, den Heiligen und besonders gegenüber der Eucharistie. Wenn der Name Jesu ausgesprochen wurde, reagierte er mit sichtbarer Qual. Seine Schreie erfüllten oft stundenlang den Raum.
Neben ihm traten weitere Stimmen hervor. Eine erklärte, Judas Iskariot zu sein. Diese Stimme war besonders auffällig, weil sie immer wieder von Verzweiflung sprach. Nach ihren Aussagen bestand ihre Aufgabe darin, die Frau zur Hoffnungslosigkeit zu treiben und sie zum Selbstmord zu verleiten. Immer wieder wurde die Vorstellung erwähnt, die Frau solle ihrem Leben ein Ende setzen. Die Dämonen sahen darin ihren grössten möglichen Sieg. Für den Exorzisten wurde dadurch erneut deutlich, dass Verzweiflung eine der stärksten Waffen Satans ist. Nicht zufällig richtet sich die christliche Hoffnung gerade gegen diese Versuchung.
Eine weitere Stimme stellte sich als Jacob vor. Nach dem Bericht behauptete sie, der verstorbene Vater der Frau zu sein. Seine Aussagen gehörten zu den erschütterndsten des ganzen Exorzismus. Er bekannte ein Leben voller Hass, Unkeuschheit, Gewalt und Gottlosigkeit. Besonders bedrückend war die Behauptung, er habe seine eigene Tochter verflucht und sie den Dämonen ausgeliefert. Ob diese Aussagen tatsächlich wahr waren oder teilweise Täuschungen enthielten, wird im Buch nicht endgültig entschieden. Dennoch sah der Exorzist in den Aussagen Hinweise auf die zerstörerische Kraft der Sünde und die verheerenden Folgen eines Lebens ohne Gott.
Neben Jacob trat auch Mina auf, die frühere Geliebte des Vaters. Ihre Stimme war voller Bitterkeit und Hass. Besonders auffällig war ihre Feindschaft gegen die Eucharistie. Immer wenn das Allerheiligste erwähnt oder in die Nähe gebracht wurde, reagierte sie mit einer Wut, die selbst die anderen Dämonen zu übertreffen schien. Nach ihren eigenen Aussagen lag der Grund ihrer Verdammnis nicht nur in ihrem unmoralischen Lebenswandel, sondern auch in der Tötung ungeborener Kinder. Der Bericht verwendet diese Aussagen als Warnung vor schwerer Sünde und als Hinweis auf die Realität des göttlichen Gerichts, ohne daraus eine kirchliche Gewissheit über Einzelfälle abzuleiten.
Eucharistie, Weihwasser und die Hilfe des Himmels
Ein zentrales Thema des Berichts ist die Macht der Sakramentalien. Weihwasser, Kreuz, Reliquien und Segnungen verursachten den Dämonen nach den Schilderungen grosse Qualen. Wiederholt wurden gesegnete und ungesegnete Gegenstände unterschieden. Die Frau reagierte auf Weihwasser, selbst wenn sie nicht wissen konnte, dass es verwendet worden war. Der Bericht deutet dies als Hinweis auf die besondere Kraft jener Zeichen, die die Kirche im Namen Christi segnet und gebraucht.
Noch stärker aber tritt die Eucharistie hervor. Von allen heiligen Dingen schien die Gegenwart Christi im Allerheiligsten den stärksten Einfluss auf die Dämonen auszuüben. Pater Theophilus trug mit Erlaubnis des Bischofs häufig eine konsekrierte Hostie in einer Pyxis bei sich. Wenn er sich damit der Frau näherte, reagierten die Geister dem Bericht zufolge oft sofort. Manche schrien. Andere versuchten, sich abzuwenden. Wieder andere schienen wie gelähmt. Für den Autor des Buches war dies kein Zufall. Die Eucharistie ist nach katholischem Glauben nicht nur ein Symbol, sondern Christus selbst. Deshalb wird sie im Bericht als die grösste Waffe gegen die Mächte der Finsternis dargestellt. Wo Christus gegenwärtig ist, muss die Hölle weichen.
Neben der Eucharistie spielte die Gottesmutter Maria eine herausragende Rolle. Kaum ein Name löste stärkere Reaktionen aus. Immer wenn Maria als die Unbefleckte oder als diejenige genannt wurde, die der Schlange den Kopf zertritt, gerieten die Dämonen in sichtbare Unruhe. Für die katholische Spiritualität ist dies bedeutsam. Maria erscheint nicht als eigenständige Macht neben Christus, sondern als jene, die vollkommen mit seinem Sieg verbunden ist.
Dasselbe galt für den Erzengel Michael. Der Gedanke, dass Michael einst Luzifer aus dem Himmel stürzte, schien für die Dämonen besonders schmerzhaft zu sein. Der Bericht sieht darin eine Bestätigung der christlichen Überzeugung, dass der Stolz Satans letztlich durch die Treue, den Gehorsam und die Demut der Diener Gottes besiegt wird.
Ebenso eindrucksvoll erscheint die Rolle der Heiligen. Die heilige Theresia vom Kinde Jesu wird mehrfach erwähnt. Als eine Reliquie der Heiligen in die Nähe gebracht wurde, sollen die Dämonen ihre Gegenwart sofort erkannt haben. Nach dem Bericht soll die Heilige der Frau erschienen sein und ihr Mut zugesprochen haben. Kurz darauf bemerkten einige Zeugen weisse Rosen, das Symbol der heiligen Theresia, im Raum.
Die zunehmende Angst der Dämonen
Während die Wochen vergingen, nahm die körperliche Erschöpfung aller Beteiligten zu. Besonders Pater Theophilus stand unter enormem Druck. Die Dämonen verspotteten ihn, bedrohten ihn und versuchten, ihn einzuschüchtern. Mehrfach kündigten sie ihm körperliche Schäden oder sogar den Tod an. Doch der Exorzist setzte seine Arbeit unbeirrt fort. Seine grösste Stärke war nach dem Eindruck vieler Zeugen nicht seine Persönlichkeit, sondern sein Glaube. Immer wieder verwies er auf Christus. Nie stellte er sich selbst in den Mittelpunkt. Der eigentliche Kampf wurde nicht zwischen einem Priester und dem Teufel geführt, sondern zwischen Christus und den Mächten der Finsternis. Der Exorzist war lediglich Werkzeug der Kirche.
Mit zunehmender Dauer des Exorzismus zeigte sich immer deutlicher eine Veränderung. Während die Dämonen anfangs stolz, spöttisch und aggressiv auftraten, wurden sie zunehmend ängstlich. Sie begannen, von der Hölle zu sprechen. Sie klagten über ihre Qualen. Sie baten darum, nicht zurückgeschickt zu werden. Der Ton ihrer Stimmen veränderte sich. Die Arroganz wich mehr und mehr der Furcht.
Besonders auffällig war die Veränderung ihres Verhaltens gegenüber den heiligen Dingen. Zu Beginn hatten sie noch versucht, die Anwesenden einzuschüchtern. Nun schienen sie die Gegenwart des Allerheiligsten kaum noch ertragen zu können. Die Eucharistie blieb während des gesamten Exorzismus die stärkste Waffe. Immer wieder wird im Bericht deutlich gemacht, dass die eigentliche Macht nicht von den Gebeten des Priesters allein ausging, sondern von Christus selbst, der in der Eucharistie gegenwärtig ist. Der Exorzismus erschien letztlich als eine sichtbare Veranschaulichung dessen, was jede heilige Messe unsichtbar bezeugt: Christus herrscht über Himmel, Erde und Hölle.
Die Stunde der Befreiung
Schliesslich kam der entscheidende Augenblick. Nach dreiundzwanzig Tagen des Kampfes schien der Widerstand der Dämonen gebrochen. Die Frau erhob sich plötzlich mit ungewöhnlicher Kraft. Ihr Körper wirkte angespannt, als würde sich der letzte Kampf in ihr abspielen. Die Stimmen schrien noch einmal auf. Der Exorzist erhob die Reliquie des Kreuzes und befahl im Namen Jesu Christi den Mächten der Finsternis zu weichen.
Darauf folgte ein letzter, furchtbarer Schrei. Die Stimmen, die über Wochen hinweg den Raum erfüllt hatten, verstummten. Es war, als würde etwas weichen, das lange Zeit Besitz ergriffen hatte. Die Anwesenden berichteten von einer plötzlichen Ruhe, die sich ausbreitete. Dann geschah etwas, das viele tief bewegte. Die Frau öffnete die Augen, die während des Exorzismus fest geschlossen gewesen waren. Die Verzerrungen ihres Gesichts verschwanden. Die Spannung ihres Körpers löste sich. An die Stelle von Hass, Angst und Unruhe trat ein Ausdruck des Friedens. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren sprach sie den Namen Jesu aus und dankte ihm.
Für die Anwesenden war dies der eigentliche Höhepunkt des Exorzismus. Nicht die Schreie, nicht die aussergewöhnlichen Phänomene und nicht die Aussagen der Dämonen standen im Mittelpunkt. Entscheidend war die Rückkehr des Friedens. Dort, wo vorher Verwirrung, Angst und Qual geherrscht hatten, war nun Ruhe.
Nach ihrer Befreiung konnte die Frau wieder ein normales religiöses Leben führen. Sie konnte beten, die Sakramente empfangen und an der Liturgie teilnehmen. Die Eucharistie, die zuvor heftige Reaktionen ausgelöst hatte, wurde wieder Quelle des Trostes. Die Kirche, die sie einst nur unter Qual betreten konnte, wurde wieder ihr geistliches Zuhause.
Der Sieg Christi
Der Bericht endet nicht mit dem Teufel, sondern mit Christus. Gerade darin liegt seine eigentliche Botschaft. Die Dämonen erscheinen laut, aggressiv und furchteinflössend, doch am Ende sind sie besiegt. Christus erscheint oft verborgen, aber seine Macht erweist sich als unerschütterlich.
Die beiden theologischen Anhänge, die der verwendeten digitalen Fassung später beigefügt wurden, vertiefen diese Botschaft. Pater John Hardon SJ erinnert daran, dass der Teufel zwar real ist, aber stets unter der Vorsehung Gottes steht. Versuchungen und Angriffe können unter Gottes Zulassung dazu dienen, den Menschen näher zu Gott zu führen. Der Teufel möchte zerstören, doch Gott vermag selbst das Böse zum Heil der Menschen zu wenden. Pater Jordan Aumann OP ergänzt wichtige Unterscheidungen. Er betont, dass nicht jede aussergewöhnliche Erscheinung dämonischen Ursprungs ist. Die Kirche verlangt grosse Vorsicht und gründliche Prüfung. Viele scheinbar übernatürliche Phänomene haben natürliche Ursachen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Dämonen reale Macht besitzen, jedoch strenge Grenzen haben.
Nach seiner Darstellung können Dämonen keine wahren Wunder wirken. Sie können keine Seele erschaffen. Sie können keine Toten wirklich auferwecken. Sie können den freien Willen nicht beherrschen. Sie kennen die geheimsten Gedanken des Menschen nicht unmittelbar. Sie können zwar täuschen, beeinflussen und bedrängen, aber sie bleiben Geschöpfe. Diese Lehre ist wichtig, weil sie jede Übertreibung vermeidet. Das Christentum kennt keinen Dualismus, in dem Gott und Satan gleich starke Gegner wären. Der Teufel ist kein Gegen-Gott. Er ist ein gefallenes Geschöpf, dessen Macht nur so weit reicht, wie Gott sie zulässt.
Gerade deshalb hebt das Buch immer wieder dieselben geistlichen Waffen hervor: die Beichte, die Eucharistie, das Gebet, das Fasten, das Weihwasser, das Kreuz, die Reliquien, die Anrufung Jesu, Mariens und der Heiligen. Bemerkenswert ist, dass nicht spektakuläre Methoden den Sieg herbeiführen, sondern die gewöhnlichen Gnadenmittel der Kirche.
Besonders die Beichte nimmt dabei einen herausragenden Platz ein. Wiederholt wird betont, dass der Teufel zwar anklagen kann, eine aufrichtig bereute und sakramental vergebene Sünde aber keinen Trennungsgrund von Gott mehr bildet. Die Barmherzigkeit Gottes entzieht dem Ankläger seinen Anspruch auf die Seele. In dieser Hinsicht erscheint die Beichte als eine der tiefsten Niederlagen Satans.
Am Ende bleibt nicht die Erinnerung an die Schrecken des Exorzismus, sondern an den Triumph Christi. Die eigentliche Botschaft von «Weiche, Satan!» lautet nicht: «Fürchte den Teufel», sondern: «Vertraue Christus.» Die Hölle mag drohen, täuschen und kämpfen. Sie mag Menschen erschrecken und verwirren. Doch sie bleibt begrenzt. Christus allein ist Herr. Seine Macht übersteigt jede Macht der Finsternis. Sein Kreuz hat bereits gesiegt. Die Sakramente der Kirche, besonders die heilige Beichte, gehören zu den stärksten Waffen und zum wirksamsten Schutz des Christen im geistlichen Kampf. So endet die Geschichte nicht mit den Stimmen der Dämonen, sondern mit dem Frieden einer befreiten Seele und dem Lob Jesu Christi. Nicht Satan hat das letzte Wort. Nicht die Hölle hat das letzte Wort. Das letzte Wort gehört Christus, dem Sieger über Sünde, Tod und Teufel.
Quelle und Einordnung: Carl Vogl, Weiche, Satan! Eine aufsehenerregende Teufelsaustreibung in Nordamerika, 1931; englische Übersetzung von Celestine Kapsner OSB: Begone Satan!, 1935; verwendete digitale Fassung von 2008 mit später hinzugefügten Anhängen. Zur kirchlichen Einordnung des Exorzismus vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1673.