Die heilige Maria Magdalena – Ganz für Christus

Maria Magdalena gehört zu den eindrucksvollsten Zeuginnen der göttlichen Barmherzigkeit.

Am 22. Juli feiert die Kirche das Fest der heiligen Maria Magdalena, aus der der Herr sieben Dämonen ausgetrieben hatte und die als Erste den vom Tod auferstandenen Erlöser sehen durfte.

Kaum eine Heilige zeigt eindrucksvoller die Macht der göttlichen Barmherzigkeit. Die westliche kirchliche Überlieferung hat Maria Magdalena lange mit der namenlosen Sünderin aus dem Lukasevangelium gleichgesetzt. In dieser überlieferten Deutung war sie einst eine grosse Sünderin, bevor sie durch die Begegnung mit Christus ein neues Leben begann. Aus einer Frau, die sich in den Freuden dieser Welt verloren hatte, wurde eine der grössten Heiligen der Christenheit. Auch wenn sich diese Gleichsetzung aus den Evangelien nicht sicher ableiten lässt, bleibt ihre geistliche Botschaft stark: Gottes Gnade kann jeden Menschen verwandeln.

Biblische Szene: Die Sünderin (Maria Magdalena) salbt die Füsse Jesu mit kostbarem Salböl und trocknet sie mit ihrem Haar.

Die Überlieferung betrachtet in ihr jene Frau, die weinend zu den Füssen Jesu niederfiel, sie mit ihren Tränen benetzte und Vergebung empfing. Von da an gehörte ihr Herz ganz dem Herrn Jesus. Sicher bezeugt das Evangelium, dass Maria Magdalena ihm bis unter das Kreuz treu blieb, am Grab ausharrte und als erste Zeugin der Auferstehung mit der Botschaft des Osterjubels zu den Aposteln gesandt wurde. Darum nennt die Kirche sie ehrfürchtig die «Apostelin der Apostel».

Die mittelalterliche Überlieferung berichtet, Maria Magdalena habe nach der Himmelfahrt Christi gemeinsam mit Lazarus, Martha und weiteren Jüngern das Evangelium verkündet. Von ihrer Liebe zu Christus erfüllt, habe sie ihren ganzen Besitz verkauft und den Erlös den Aposteln zu Füssen gelegt. Was ihr einst Sicherheit und Ansehen gegeben hatte, erschien ihr nun gering gegenüber dem unvergänglichen Schatz der Gemeinschaft mit dem Herrn.

Der Legenda Aurea zufolge verkündete sie in Südfrankreich mutig den Glauben und führte viele Menschen zu Christus. Doch je mehr ihre Liebe zu Gott wuchs, desto grösser wurde ihre Sehnsucht nach der Stille und der Betrachtung himmlischer Dinge. Schliesslich zog sie sich in die Einsamkeit zurück und lebte dreissig Jahre verborgen in einer Einöde. Dort widmete sie sich ganz dem Gebet, der Busse und der Betrachtung Gottes.

Der auferstandene Jesus erscheint Maria Magdalena am leeren Grab.

Die Legenda Aurea schildert diese Jahre mit bewegenden Bildern: Zu den kanonischen Gebetszeiten wurde Maria Magdalena jeweils von Engeln emporgehoben, um die Lobgesänge des Himmels zu hören. Während die Welt nach irdischer Nahrung und Vergnügen sucht, lebte sie aus der Nähe Gottes und aus der Sehnsucht nach dem ewigen Leben. Ihr Herz war so sehr auf den Himmel ausgerichtet, dass alles Irdische verblasste.

Kurz vor ihrem Heimgang sei sie der Überlieferung nach zum heiligen Maximinus geführt worden, der zu den 72 Jüngern des Herrn gehört haben und erster Bischof von Aix-en-Provence gewesen sein soll. Dort habe sie ein letztes Mal die heilige Eucharistie empfangen. Danach habe sie sich vor dem Altar niedergelegt, ihre Seele zu Gott erhoben und sei in Frieden verschieden.

Maria Magdalena erinnert uns daran, dass Heiligkeit nicht darin besteht, niemals gefallen zu sein, sondern darin, sich von Gott aufrichten zu lassen. In der überlieferten Deutung wurden ihre Tränen zu einer Quelle der Gnade und ihre Schuld zum Anlass einer noch grösseren Liebe. Ihre Geschichte zeigt, dass niemand zu weit von Gott entfernt ist, um nicht ein Heiliger werden zu können.

Wer sich Christus anvertraut, findet wie Maria Magdalena Befreiung, Hoffnung und neues Leben. Darum bleibt sie bis heute ein leuchtendes Vorbild für alle, die den Herrn suchen und ihm mit ganzem Herzen nachfolgen möchten.

Heilige Maria Magdalena, Apostelin der Apostel, Vorbild der Umkehr und der brennenden Liebe zu Christus – bitte für uns!

Quellen und Einordnung: Vgl. Lk 8,2; Joh 20,11–18; Jacobus de Voragine, Legenda Aurea (Goldene Legende), Kap. 96 «Die heilige Maria Magdalena», in: Fontes Christiani, Bd. 2, S. 1235 ff.; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, «Apostle of the Apostles», 2016.

Ein Kommentar

  1. Danke! Auch bei der Catharina von Siena habe ich gelesen, dass Maria Magdalena 33 Jahre ohne irdische Speise in Kontemplation auf einem Felsen lebte und, dass sie von Engeln 7x in die Lüfte entführt wurde. Gottes Segen!

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