Dürre 2026: Wenn die Erde nach Wasser & die Seele nach Gott dürstet

Die Dürre 2026 ist kein Beweis für eine bestimmte Strafe Gottes. Aber sie ist ein unüberhörbarer Ruf, unsere Abhängigkeit von Gott neu zu erkennen, umzukehren und wieder gemeinsam um Regen zu beten.

Wenn Sonne zur Not wird

«Herrliches Wetter!», sagt der Städter und bestellt auf der Terrasse noch einen Kaffee. Seit Tagen kein Regen, kein Schirm, kein grauer Himmel. Wunderbar. Für ihn ist das Wetter Freizeitkulisse.

Ein Bauer sieht denselben Himmel und denkt anders. Er sieht trockene Erde, leidendes Gras und knapp werdendes Futter. Ich kenne viele Bauern. Sie wissen: Sonne ist nicht immer schönes Wetter. Derselbe blaue Himmel bedeutet für den einen Grillabend und für den anderen Existenzangst.

Vielleicht haben wir uns in den Städten zu weit von der Schöpfung entfernt. Die Karotte wächst nicht im Kühlschrank, der Salat wird nicht im Plastikbeutel geboren, und Milch wird nicht irgendwo zwischen Coca-Cola und Waschmittel zusammengemischt. Die Kuh braucht Futter. Und Futter wächst nicht im Kühlregal.

Offenbar muss man heute selbst das Banale wieder sagen. Eine Gesellschaft, die nicht mehr weiss, woher ihre Nahrung kommt, wird die Not erst dann bemerken, wenn das Preisschild im Supermarkt steigt.

Ausgetrocknete, rissige Erde vor einer Berglandschaft als Zeichen von Dürre

Dürre 2026: Die Trockenheit ist real

Die Lage lässt sich messen: Der Frühling 2026 gehörte in der Schweiz zu den zehn trockensten seit 1864. Laut Bundesamt für Umwelt sind Böden, Gewässer, Grundwasser und Quellen von ausgeprägter Trockenheit betroffen. Auch grosse Teile Europas waren im Juni trockener als üblich – wenn auch nicht der gesamte Kontinent.

Wir brauchen weder Klimapanik noch ideologische Scheuklappen. Nicht jede trockene Woche bestätigt jede politische Klimabehauptung. Wer bei jeder Wetterlage reflexartig «CO₂!» ruft und daraus ein politisches Programm ableitet, gerät leicht in die Gefahr, aus einer komplexen Frage eine politische Ersatzreligion zu machen.

Aber wer aus Abneigung gegen diese Ideologie die konkrete Dürre kleinredet, hilft keinem Bauern. Dieser Sommer ist heiss und trocken. Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen Wasser. Entscheidend ist nicht, welchem politischen Lager wir recht geben, sondern: Nehmen wir die Not wahr – und bringen wir sie vor Gott?

Ist die Dürre eine Strafe Gottes?

Jetzt wird es heikel. Manche sagen sofort: «Das ist Gottes Strafe!» Andere reagieren bereits beim Wort «Umkehr» beinahe reflexartig und möchten Gott vorsorglich aus jeder Naturbetrachtung entfernen. Beides greift zu kurz.

Jesus weist in Lukas 13 die Vorstellung zurück, die Opfer eines Unglücks seien grössere Sünder. Der Bauer mit der vertrockneten Ernte ist nicht schuldiger als der Städter, der seinen Rasen sprengt. Eine Wetterkarte ist kein himmlischer Strafregisterauszug. Wer darin die Strafe für eine bestimmte Sünde erkennt, weiss mehr, als Gott ihm offenbart hat.

Aber Jesus sagt im selben Atemzug: «Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle ebenso umkommen.» Er weist die billige Schuldzuweisung zurück, nicht den Ruf zur Umkehr. Das Unglück benennt nicht den Schuldigen. Aber es kann das Gewissen aller wecken.

Genau hier wird die heilige Hildegard von Bingen, Mystikerin und Kirchenlehrerin, unbequem. Der Satz «Die Elemente der Natur wehren sich gegen die Sünden der Menschen» ist nicht wörtlich von ihr, fasst aber mehrere Stellen in ihrem Werk erstaunlich genau zusammen.

Im Liber vitae meritorum klagen die Elemente, die Menschen wälzten sie mit ihren schlechten Taten «wie mit einem Mühlrad» um. In Causae et curae verbindet Hildegard Krieg, Hass, Neid und Zwietracht mit Hitze, Kälte, Regengüssen und Überschwemmungen. Dem bekannten Satz am nächsten kommt eine Stelle im Liber divinorum operum: «Die Fruchtbarkeit der Erde hatte nachgelassen, weil die Elemente, durch die Sünden der Menschen verletzt, ihrer rechten Wirkkraft beraubt waren.»

Hildegard liefert keine moderne Meteorologie. Aber sie sieht: Mensch und Schöpfung sind nicht getrennte Welten. Habgier, Verschwendung, Krieg und Ausbeutung bleiben nicht folgenlos. Die Natur ist kein stummer Rohstoffhaufen für unsere Wünsche.

Niedriger Wasserstand am Bodensee mit freigelegtem Ufer bei sonnigem Wetter

Umkehr? Ja – aber bitte nicht bei mir!

Umkehr bedeutet nicht, nach Bern, Brüssel, auf Bauern, Autofahrer oder die «Gottlosen» zu zeigen. Sie beginnt dort, wo mein Wille nicht mehr Mittelpunkt des Universums sein darf.

Welche Rolle spielt Gott in meinem Alltag? Ist der Sonntag Tag des Herrn – oder nur Brunch, Einkauf und Freizeitprogramm? Ist die heilige Messe Quelle meines Lebens? Gehe ich zur Beichte? Bete ich in der Familie? Teile ich mit Menschen, die stärker leiden?

Weil die Kirchen leerer sind, dreht Gott nicht automatisch den himmlischen Wasserhahn zu. Er ist kein Bewässerungsautomat, in den man drei Rosenkränze einwirft und dafür zwanzig Millimeter Regen erhält. Doch wer den Schöpfer vergisst, vergisst auch, dass die Schöpfung Gabe und nicht Besitz ist.

Johannes Paul II. nennt den Sonntag in Dies Domini das «wöchentliche Ostern», an dem Schöpfung und «Neuschöpfung» gefeiert werden. Wer sonntags vor dem Schöpfer kniet und ihm für das tägliche Brot dankt, kann seine Gaben werktags nicht behandeln, als gehörten sie allein ihm.

Wir diskutieren stundenlang über Klima, Landwirtschaft und Lebensmittelpreise. Aber zwanzig Minuten gemeinsam vor Gott knien? Dafür scheint uns der Kalender zu voll zu sein. Vielleicht ist nicht nur der Boden trocken. Vielleicht ist auch eine Kirche verdorrt, die für jede Krise ein Papier, aber kaum noch einen Bittgang kennt.

Warum nicht wieder Bittgänge um Regen?

Unsere Vorfahren wussten trotz fehlender Wetter-App: Wir sind abhängig. Sie gingen mit Kreuz und Litanei auf die Felder und baten um Schutz und eine gute Ernte. Ein Bittgang ist ein Glaubensbekenntnis mit den Füssen.

Dabei muss man unterscheiden zwischen den regelmässigen Bitttagen oder Rogationen vor Christi Himmelfahrt und ausserordentlichen Bittprozessionen in konkreter Not. Das historische Rituale Romanum enthielt eigene Ordnungen um Regen, um gutes Wetter, gegen Unwetter sowie in Hunger, Seuche, Krieg und jeder öffentlichen Bedrängnis. Zu den prägenden Gebeten solcher Prozessionen gehört seit alters her die Allerheiligenlitanei: Die Kirche auf Erden bittet gemeinsam mit der Kirche des Himmels.

Das Römische Messbuch kennt weiterhin eine Messe «Um Regen»; auch Bittprozessionen um Gottes Segen über Felder und Arbeit gehören zum Schatz der Kirche. Aber in manchen Pfarreien steht diese Gebetsform im pastoralen Museum, während draussen die Erde aufreisst.

Gut, es ist Ferienzeit. Mancherorts macht selbst das kirchliche Leben Sommerpause: weniger Messfeiern, weniger Angebote, weniger Initiative. Nur die dürstende Erde kennt keinen Ferienplan – und Gott zum Glück auch nicht.

Ein heutiger Bittgang braucht kein nostalgisches Kostümfest zu sein: Kreuz, Evangelium, Allerheiligenlitanei, Stationen bei Feldern oder Quellen, die Bitte um Vergebung und – wo möglich – die heilige Messe. Schlicht, katholisch, ohne Show.

Wir segnen Autos, Motorräder und Haustiere. Aber wenn Felder verdorren, scheint uns die gemeinsame Bitte um Regen peinlich zu sein?

Worauf warten wir – bis die Wetter-App auch das Gemüseregal nicht mehr beruhigen kann?

Trockenes Grasland vor einer Berglandschaft als Zeichen von Dürre

Laien, fragt eure Pfarreien!

Als Missionar will ich anstossen, Gebetshilfen bereitstellen und Menschen zusammenführen. Eine Pfarreiprozession wird gemeinsam mit dem Pfarrer vorbereitet. Das Kirchenrecht anerkennt ausdrücklich die apostolische Initiative der Laien.

Johannes Paul II. ruft die Laien in Christifideles laici auf: «Geht auch ihr in meinen Weinberg.» Laieninitiative ist kein Aufstand gegen Priester. Aber die Kirche wird kaum erneuert, solange Laien nur beklagen, was Priester nicht tun, ohne selbst bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen. Erneuerung geschieht weder durch Laien gegen die Priester noch durch Priester ohne die Laien.

«Herr Pfarrer, könnten wir einen Bittgang und eine Messe um Regen halten? Wir bereiten Route, Gebetsblatt, Musik und alles Praktische vor.»

Zu einem echten Bittgang gehören: die Bitte um Regen, persönliche Umkehr und Beichte, Solidarität mit den Bauern sowie ein verantwortlicher Umgang mit Wasser und Nahrung. Wer um Regen betet und Lebensmittel wegwirft, bittet mit gespaltener Zunge.

Wird es dann regnen?

Ich weiss es nicht.

Gebet ist kein Vertrag, mit dem wir Gott zu einer Leistung verpflichten. Aber es ist auch kein Selbstgespräch. Gott hört. Seine Antwort lässt sich allerdings nicht wie eine Wetterprognose terminieren. Manchmal schenkt er, worum wir bitten; manchmal führt er anders. Immer stellt uns das Gebet in die Wahrheit: Wir sind Geschöpfe, nicht Schöpfer.

Vielleicht braucht es tatsächlich Not, damit der Mensch wieder betet. Das wäre tragisch. Noch tragischer wäre nur, wenn selbst die Not uns nicht mehr aufwecken könnte.

Wenn nicht einmal dürre Felder, leere Bäche und die Sorge der Bauern uns fragen lassen, ob wir Gott brauchen – was müsste dann noch geschehen?

Die Erde hat Risse. Die Wiesen sind braun.

Vielleicht auch unser Herz.

Bitten wir Gott um beides: um Regen für das Land und um Umkehr für uns.

Nicht irgendwann.

Jetzt.

Ausgetrocknete, rissige Erde als Zeichen von Dürre und Wassermangel

Gebetsheft und Schweizer Allerheiligenlitanei herunterladen

Das BLESS Missionswerk stellt zwei Gebetshilfen für das persönliche Gebet, Familien und Gruppen sowie – in Absprache mit dem Pfarrer – für eine Andacht oder einen Bittgang bereit.

Die zwei Gebetshilfen können heruntergeladen werden.

3 Kommentare

  1. Danke für die wertvollen Worte. Sehr wahr!!! Nur leider muss ich hinzufügen, dass auch viele Landwirte den Sonntag nicht ehren, zumindest bei uns im Allgäu in Südbayern. Ich weiß ja nicht, wie das bei euch in der Schweiz ist, aber es ist alles andere als eine Seltenheit (bzw. mal eine Ausnahme!) dass Bauern zb ihr Feld am Sonntag mähen, obwohl es wetterbedingt auch sehr gut am nächsten Tag gehen würde. Auch hier ist Umkehr und das wahren des Sonntagsgebots nötig;)

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