Zwischen Tun und Sein – den besseren Teil wählen
Die Geschichte von Maria und Marta (Lukas 10,38–42) ist vielen bekannt – und doch trifft sie heute vielleicht mehr denn je. Wenn man diese Stelle zum ersten Mal liest, fühlt man oft sofort mit Marta mit. Sind wir doch mal ehrlich, wer würde sich nicht auch ärgern? Da kommt unerwartet Besuch, alles muss vorbereitet werden, es gibt Verantwortung und Maria sitzt einfach nur da.
„Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“
— Lukas 10:40
Man kann Marta gut verstehen, denn dieser Gedanke ist so vertraut: „Wenn ich es nicht mache, wer macht es dann?“ Und genau hier wird es spannend, denn oft ist es leichter, zu handeln, zu arbeiten, zu organisieren. Sich Gott hinzugeben, Kontrolle abzugeben, einfach zu sein – das ist oft viel schwieriger.

Jetzt könnte man sagen: Diese Geschichte ist alt. Damals war das Leben einfacher, ruhiger, weniger hektisch. Wahrscheinlich war es damals auch leichter, einfach mal nichts zu tun und sich hinzusetzen. Heute ist doch alles schneller, komplexer, digitaler. Unser Alltag ist voll mit Terminen, Erwartungen, To-do-Listen und Deadlines. Gerade deshalb fühlt sich das, was Maria getan hat, heute fast noch herausfordernder an. Denn auch wenn sich die Umstände verändert haben, ist der innere Druck oft derselbe geblieben. Auch heute dreht sich vieles um Leistung. Darum, alles im Griff zu haben. Darum, gebraucht zu werden.
Dieses Muster zeigt sich nicht nur im Alltag, sondern auch in unserem Glaubensleben. Wir engagieren uns, helfen, dienen und übernehmen Verantwortung. Alles gute Dinge, aber gleichzeitig kann etwas leise verloren gehen: die persönliche Zeit mit Gott. Wir tun Dinge für Gott, aber verbringen immer weniger Zeit mit Gott. Und irgendwann wird der Glaube zu einer Liste von Aufgaben, statt zu einer Beziehung. Manchmal zeigt sich dieses „Marta-Sein“ auch ganz subtil. Nicht nur im offensichtlichen Tun, sondern im inneren Druck, immer etwas leisten zu müssen – selbst vor Gott. Gebet wird zur Aufgabe, Bibellesen zur Pflicht, und selbst die Beziehung zu Jesus fühlt sich plötzlich nach etwas an, das „gut gemacht“ werden muss. Doch wir vergessen dabei, dass dies nie die Vorstellung von Jesus war. Er sucht keine perfekte Leistung, sondern unser offenes Herz.
Und vielleicht liegt genau hier die Herausforderung unserer Zeit: Wir sind es gewohnt, unseren Wert an dem zu messen, was wir tun. Doch im Reich Gottes funktioniert es anders. Unser Wert zeichnet sich nicht durch unsere Produktivität aus, sondern wurde uns durch die Gnade Gottes gegeben, die uns zu seinen Kindern macht. Nicht durch das, was geleistet wird, sondern durch die Beziehung, die wir zu ihm haben.
Beziehung vor Aktivität
Maria entscheidet sich für etwas, das von aussen unspektakulär aussieht:
Sie sitzt einfach bei Jesus und hört ihm zu. Doch genau darin liegt der entscheidende Punkt.
„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.“ — Lukas 10:41–42
Jesus sagt uns damit nicht, dass Arbeit falsch ist, aber er zeigt uns auf, was zuerst kommen soll. Beziehung vor Aktivität. Denn am Ende geht es nicht darum, wie viel wir geleistet haben, oder um die Anerkennung, die wir hier auf Erden erhalten haben. Nicht darum, wie beschäftigt wir waren. Unser eigentliches Ziel ist der Himmel und die Ewigkeit.
Die Bibel gibt uns hierzu im Matthäus Evangelium auch eine ernstzunehmende Warnung:
„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten vollbracht?
Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!“ — Matthäus 7:21-23
Das zeigt uns nochmals, worum es wirklich geht. Jesus wird uns nicht fragen, wie viel wir geleistet haben, sondern hoffentlich auf eine innige und echte Beziehung mit uns zurückblicken.
Also wie können wir das nun in unser Leben implementieren?
Es geht nicht darum, alles stehen und liegen zu lassen. Nicht darum, keine Verantwortung mehr zu übernehmen. Sondern darum, unsere Prioritäten neu zu ordnen. Gott nicht an den Rand zu stellen, sondern an den Anfang.
Vielleicht bedeutet das ganz praktisch:
• den Tag nicht nur mit To-dos zu starten, sondern mit einem Moment mit Gott
• bewusst Zeiten einzuplanen, in denen nichts „produktiv“ passiert
• Stille auszuhalten, auch wenn sie ungewohnt ist und genau da Gott zu suchen
• sich immer wieder daran zu erinnern: Ich muss nicht immer etwas machen
Denn aus der Beziehung entsteht alles andere. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ — Johannes 15,5
Frucht entsteht nicht durch Leistung, sondern durch die Verbundenheit zu Jesus.
Darum fragen wir uns jetzt ganz konkret: Bin ich mehr Marta oder mehr Maria? Wann habe ich mir das letzte Mal bewusst Zeit genommen, einfach bei Jesus zu sein – ohne Ziel, ohne Leistung, ohne Ablenkung? Vielleicht ist genau das der nächste Schritt.

One Response
Sehr treffender Bericht, vielen Dank! Gilt nicht nur für Martas und Marias, sondern vor allem auch für uns Männer!