Zwischen Festhalten und Loslassen
Das wohl schwerste Gebet
Kennt ihr dieses eine Gebet, das alles verändern kann und uns genau deshalb manchmal so schwer fällt zu beten?
Ein Gebet, das nicht nach Kontrolle klingt, sondern nach Vertrauen.
Nicht nach Festhalten, sondern nach Loslassen.
Es geht ungefähr so:
„Herr, wenn das nicht für mich ist, dann nimm es mir weg. Lass es nicht zu.“
Auf den ersten Blick wirkt das Gebet doch logisch.
Wenn Gott gut ist, wird er ja ohnehin nur das Beste für uns wollen, oder?
Und trotzdem merken wir: Genau dieses Gebet fällt uns oft am schwersten.
Warum dieses Gebet so schwer ist
Wenn wir ehrlich sind, beten wir vielleicht oft nicht so offen.
Wir beten für eine bestimmte Person, für eine konkrete Chance oder für einen Weg, den wir uns schon ziemlich genau ausgemalt haben.
Und irgendwo in uns steckt dieser Wunsch:
„Bitte genau das. Genau so. Bitte nicht anders.“
Loslassen fühlt sich in solchen Momenten nicht natürlich an.
Festhalten schon, denn da sind Gefühle, Hoffnungen und vielleicht auch Angst.
Und dann ist oft dieser leise Gedanke: „Was, wenn genau das doch richtig ist? “Oder noch ehrlicher: „Was, wenn Gott es mir wegnimmt?“
Kontrolle abgeben ist schwerer als Tun
Wir merken es immer wieder: Es fällt oft leichter, etwas zu tun, als etwas loszulassen. Denn wir können aktiv sein. Beten, nachdenken, planen, kämpfen. Aber uns wirklich hinzugeben – nicht zu wissen, was kommt, und trotzdem zu vertrauen – das fordert etwas ganz anderes.
Loslassen heisst nicht, dass es uns egal ist, sondern dass wir Gott mehr zutrauen als unseren eigenen Vorstellungen.
Das Gebet, das alles verändert
Ein Satz stellt alles auf den Kopf:
„Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern der deine.“ (Lk 22,42)
Jesus betet das im Garten Getsemani. Und genau das macht es so stark. Er spricht aus, was er fühlt. Seinen Wunsch. Seine Angst. Und gleichzeitig dieses Vertrauen. Er zeigt uns: Loslassen ist nicht leicht.
Aber Vertrauen ist möglich.
Loslassen heisst nicht verlieren
Für uns fühlt sich Loslassen oft wie Verlust an. Als würden wir etwas aus der Hand geben, das uns wichtig ist. Aber im Glauben verändert sich die Perspektive: Loslassen bedeutet nicht, etwas fallen zu lassen. Sondern es in Gottes Hände zu legen. Und weil Gott so gut ist, nimmt er uns nichts weg, um uns zu schaden – sondern um zu schützen. Auch dann, wenn wir es im Moment nicht verstehen.
Manchmal wird dieses Gebet konkret. Eine Tür schliesst sich. Eine Beziehung entwickelt sich nicht weiter oder endet. Ein Plan geht nicht auf. Und genau da wird es doch manchmal schwierig.
Denn dann zeigt sich, ob wir dieses Gebet wirklich so gemeint haben: „Wenn es nicht für mich ist …“ Oder ob wir innerlich doch gehofft haben,
dass Gott eine Ausnahme macht.
Vertrauen, das tiefer geht
Echter Glaube zeigt sich oft genau hier. Nicht dann, wenn alles klappt. Sondern dann, wenn es nicht klappt – und wir trotzdem vertrauen.
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn.“ (Jes 55,8)
Das ist herausfordernd, aber auch irgendwie befreiend. Wir müssen nicht alles verstehen und kontrollieren.
Was dieses Gebet wirklich ist
Dieses Gebet ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist Vertrauen.
Ein Vertrauen, das sagt:
-Gott sieht mehr als wir.
-Gott weiss mehr als wir.
-Gott will nur das Beste für uns.
Auch dann, wenn es sich im Moment nicht so anfühlt.
Wie wir dieses Gebet beten können
Vielleicht nicht perfekt und nicht sofort mit voller Überzeugung, aber ehrlich.
Zum Beispiel so:
„Gott, du siehst mein Herz.
Du weisst, was ich mir wünsche.
Aber wenn das nicht dein Weg für mich ist,
dann führe mich auf den richtigen, deinen Weg.
Auch wenn es weh tut, hilf mir, dir zu vertrauen.“
Mehr braucht es oft nicht, denn Gott kennt unsere tiefsten Wünsche bereits.
Loslassen im Alltag
Loslassen passiert nicht einmal, sondern immer wieder.
Gedanken kommen zurück, Hoffnungen tauchen wieder auf und jedes Mal stehen wir neu vor der Entscheidung: Festhalten oder vertrauen?
Vielleicht gibt es gerade etwas in unserem Leben,
an dem wir festhalten. Etwas, das wir nicht verlieren wollen. Vielleicht sollten wir genau hier ansetzen. Nicht, um es sofort loszulassen.
Sondern um es Gott hinzulegen. Und vielleicht dieses eine Gebet zu wagen. Auch wenns schwer ist. Weil wir wissen, in wessen Händen wir sind.
2 Responses
Hingabe heisst alles loslassen umd ganz der Vorsehung Gottes zu vertrauen. Diese Erkenntis ist seit drei Jahren in meinem Leben ein Weg in die volle Nachfolge geworden. Sie begann bereits in meiner Jugend und nun beginnt erst das Erkennen des Reichtums der göttlichen Liebe und SEINER Barmherzigkeit. Das lässt meine Seele still und demütig sein. Sie verneigt sich mit Ehrfurcht. Es ist für mich körperlich wahrnehmbar und alles löst sich in diesen Momenten in seinem Licht auf. Ich darf es immer wieder erfahren und es ist ein genzenloses Schweben oder wie das Tauchen und schwimmen durch den ewigen Ozean. Loslassen heisst nicht verlieren, sondern frei sein, getragen durch SEINE LIEBE, gewiegt wie ein Kind in den Armen der Mutter. Ich wünsche jedem diese Erfahrung von Herzen…..
Gut geschrieben, Laura. Ich finde dies ein wichtiges Glaubensthema, das du hier ausgewählt und interessant beleuchtet hast.